Auf den Spuren von Chocolatito

Quelle Saarbrücker Zeitung ****  (Von  Marcus Kalmes, 28. Oktober 2016, 02:00 Uhr) Internationale deutsche Meisterschaft: Martin will seinen ersten Titel für verstorbenen Papa seiner Freundin holen. Markenzeichen Irokesen-Schnitt: Mirco Martin (rechts) will im Fliegengewicht groß rauskommen. Im Juli ließ er Robert Kanalas nicht den Hauch einer Chance. Da half dem Ungarn auch das Wegducken nichts. Morgen kämpft Martin gegen dessen Bruder Szilveszter.

Am 15. Juli vermöbelte er Robert Kanalas im Ring. Morgen will Mirco Martin im Kampf gegen dessen Bruder Szilveszter seinen ersten Titel als Profi-Boxer holen. Es soll der Startschuss auf dem Weg zum WM-Titel werden.

Wenn Mirco Martin über den in seinen 46 Profi-Kämpfen unbesiegten Roman Gonzalez spricht, gerät er ins Schwärmen. „Er ist mein großes Vorbild“, sagt der 24-Jährige über den Box-Weltmeister nach WBC-Version im Super-Fliegengewicht (bis 52,163 Kilogramm). Der Nicaraguaner, der schon Weltmeister im Leicht-Fliegengewicht (48,988) und im Fliegengewicht (50,802) war, weist eine K.o.-Quote von 83 Prozent auf. „Chocolatito“, wie der Weltranglisten-Erste Gonzalez genannt wird, hat Dynamit in den Fäusten. „Ich habe viel Speed in den Fäusten“, sagt der Weltranglisten-170. Martin, der sich ganz frisch auch einen Kampfnamen zugelegt hat: Mirco „The Comet“ Martin.

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In Deutschland keine Gegner

„Speed“ heißt übersetzt Geschwindigkeit. Der gebürtige Dudweilerer Martin gibt im Ring in der Fliegengewicht-Klasse mächtig Gas. Im letzten seiner sechs Profi-Kämpfe machte er mit Robert Kanalas, der zuvor 19 Profi-Kämpfe bestritten hatte, kurzen Prozess. Martin, der in Deutschland keinen ernst zu nehmenden Gegner hat, ließ dem Ungarn mit seinen Schlaghageln nicht den Hauch einer Chance. Robert Kanalas wurde bei dem Kampf am 15. Juli in der Saarbrücker Saarlandhalle in der ersten Runde zwei Mal angezählt. Es folgte der Technische K.o. in Runde zwei. „Das war zu einfach“, sagt Martin, der es aufgrund fehlender deutscher Fliegengewichtler im Training meist mit schwereren und größeren Boxern zu tun hat.Der nächste Kampf Martins, der 2014 von Neuweiler nach Obersalbach umgezogen ist, „wird wohl über die vollen zehn Runden gehen“, glaubt der 24-Jährige. Denn der Gegner im ersten Titelkampf seiner Karriere wird ein ehemaliger Junioren-Weltmeister nach WBF-Version sein: der 18 Jahre alte Szilveszter Kanalas. Er ist der Bruder von Robert Kanalas. Gegen die Nummer 123 der Welt steigt der 1,60 Meter große Saarländer am morgigen Samstag bei einem um 19 Uhr beginnenden Kampfabend in der Pfinzhalle in Dettenheim-Rußheim in den Ring. Es geht um die vakante internationale deutsche Meisterschaft.

Weil Martin, der in Quierschied aufgewachsen ist, im Sparring größere und schwerere Gegner boxt, muss er sich wie vor jedem Kampf wieder auf die im Fliegengewicht kleinen und leichteren Gegner umstellen. „Er ist etwas größer als ich, schnell und schlägt hart“, erklärt er zu Szilveszter Kanalas: „Das wird auf jeden Fall eine Prüfung für mich.“ Szilveszter Kanalas, der mit seinen 18 Jahren bereits 14 Profi-Kämpfe bestritt, stand seit April dieses Jahres jeden Monat einmal im Ring. „Er ist also in Topverfassung“, sagt Martin. Doch auch er ist top vorbereitet.

Der 24-Jährige hat „die Kräfte zehrendste Vorbereitung“ seiner Karriere hinter sich. Das liegt zum Einen daran, dass Martin Teilzeit-Boxer ist. Denn er arbeitet Vollzeit als Stuckateur für eine St. Ingberter Firma. Zum Anderen liegt es daran, dass er in der Vorbereitungsphase auf den morgigen Kampf seit zwei Monaten täglich zum Training nach Karlsruhe fährt. Martins Alltag: Er steht um 5 Uhr auf und macht dann einen 30 Minuten langen Lauf. Von 7 bis 16 Uhr ist er auf der Arbeit. „Danach fahre ich heim und lege mich 30 Minuten hin, um etwas zu schlafen, bevor es auf die lange Fahrt geht“, erzählt er. Dann macht er sich auf die eineinhalb Stunden lange Tour nach Karlsruhe zu seinem Trainer Dominik Junge. Mit ihm wird eineinhalb Stunden lang trainiert, ehe es mit dem Auto zurück nach Obersalbach geht. Vor 22 Uhr ist Martin nicht zu Hause.

Erschwerend zu dieser Tortur kommt, dass der Vater seiner Freundin Lena vor Kurzem plötzlich gestorben ist. „Wir dachten zuerst daran, den Kampf abzusagen“, sagt Martin. Sie entschieden sich dagegen – und er wird nun morgen versuchen, seinen ersten Titel für den Papa seiner Lebensgefährtin zu holen.

„Ich will Weltmeister werden“

Gelingt der Titelgewinn, will Mirco Martin mit Michael Siegel von Baden Box-Promotion, dem Ausrichter der morgigen Veranstaltung, im kommenden Jahr einen Kampfabend im Saarland organisieren und den Titel verteidigen – oder um einen internationalen Titel boxen. Wenn er über sein langfristiges Ziel spricht, ist Martin wieder ganz bei seinem Vorbild „Chocolatito“: „Ich will Weltmeister werden in einem der vier großen Box-Verbände.“

 

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